Sonntag, 24. Juni 2012

Geschäftszweig Abmahnung. Die Politik ist gefragt!

Das Urheberrecht ist ein schützenswertes Gut.
Mit diesem Satz bin ich grundsätzlich einverstanden. 
Trotzdem ist es dringend notwendig, dass über die Grenzen neu diskutiert wird und Fehlentwicklungen schnell und nachhaltig Einhalt geboten wird.

Dass es Fehlentwicklungen gibt, wird niemand ernsthaft bestreiten. Ganz aktuell wurde eine Bloggerin die ich sehr schätze, von einem Unternehmen namens getty images abgemahnt.
Nicht, weil sie exzessiv Filme und Musik aus dem Netz heruntergeladen hätte.
Und auch nicht, weil sie Texte kopiert oder Fotos illegal eingestellt hätte.
Grund der Abmahnung, in der eine Zahlung von über 1.000 Euro gefordert wird, ist die Tatsache, dass sie in ihrem Blog Kommentare erlaubt hat und die Kommentierenden, wie es bei wordpress und Co. durchaus üblich ist, mit ihrem Avatar erscheinen.
Einer der Kommentierenden hatte nun für sich ein Bild gewählt, dass er - bewusst oder unbewusst - irgendwo aus dem Netz gesaugt hatte.
Er kommentierte - und das Bild erschien (ganz klein) auch im Blog Bachmichels Haus, wo ihr die ganze leidige Geschichte nachlesen könnt.

Das ist übrigens kein "gesaugtes" Foto, sondern mein eigenes! 
Blogger und die Nutzer von Sozialen Netzwerken bewegen sich nicht selten unbewusst in unregulierten Grauzonen. Das Recht hat mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt gehalten und 
- auch das muss man der Ehrlichkeit halber zugeben - 
viele unserer Gesetzgeber leider noch garnicht selbst erleben, 
wie Kommunikation und das ganze Drumherum heute funktionieren.


Selbst mit viel Fantasie und bösem Willen kann man nun der Bloginhaberin keinen Vorwurf machen. 
Sie hat das Bild weder gemopst noch selbst verwandt.
Verwendet hat es jemand anders - und das hätte getty images mit einem Klick herausfinden können.
Aber das wollten die offensichtlich garnicht.
Die wollen kassieren. 
Und nichts anderes.
Das kann damit zu zun haben, das die Bilder besagten Unternehmens (wie ich persönlich finde) zu einem großen Teil beliebig und austauschbar sind und versucht wird, den Umsatz auf andere Art und Weise zu steigern.
Bewusst wird dabei in Kauf genommen, dass sie sich selbst auf dünnem Eis bewegen und die geforderte Summe nicht erhalten werden, wenn der abgemahnte User die Nerven behält und seinerseits zunächt einmal eine rechtliche Beratung in Anspruch nimmt.
Die Abmahn-Ritter kalkulieren das ein - aber auch, dass viele aus Angst vor den zum Teil martalisch angedrohten Folgen einer Nichtzahlung oft den gefordertet Betrag überweisen.

Das zeigt: 
Unternehmen wie diesen geht es nicht wirklich um das Urheberrecht. 
Sie wollen Kasse machen.
Und das muss unterbunden werden.
So schnell wie möglich.
Die Politik ist gefragt. 

Aus gutem Grund nutze ich nur noch meine eigenen Fotos - und auch in der Vergangenheit habe ich neben eigenen Kreationen allenfalls Bilder aus kostenlosen Bilddatenbanken genutzt (sie dann aber entsprechend gekennzeichnet!).
Auch die jetzt abgemahnte Bloggerin aus meiner Heimatgemeinde hat dies stets so gehalten. Und trotzdem kam nun dieser Brief mit der "Bitte zur Kasse".
Das zeigt: Niemand ist vor dem Geschäftsmodell Abmahnung ganz gefeit.

Der Inhaberin des wirklich immer wieder lesenswerten Blogs "Bachmichels Haus" drücke ich deshalb umso mehr ganz fest die Daumen. Ich bin mir sicher, dass die ganze Geschichte für sie gut ausgehen wird und sich die Abmahnritter an ihr und ihren Freunden die Finger verbrennen werden.

1 Kommentar:

  1. Hallo Alwin Theobald: Ich bin vollkommen Deiner Meinung. Natürlich sind wir dagegen, dass Werke einfach übernommen werden ohne Genehmigung der Autoren oder Fotografen, was hier passiert ist im Blog "Bachmichels Haus" ist jedoch hahnebüschen. Du hast es ja eingehend geschildert, hier muss das Recht an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Wir solltes dies unserer Bundestagsabgeordneten Nadine Schön und damit unserer Fraktion in Berlin anraten, hier aktiv zu werden. Dieses wirklich existente Problem dürfen wir nicht den Piraten überlassen. Berthold Schmitt, Eppelborn.

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