Dienstag, 29. Oktober 2013

Gelesen: "Der Verrat" von Val McDermid

Der Herbst ist angekommen, die Tage werden deutlich kürzer.
Bei dem draußen herrschenden stürmischen und nasskalten Wetter sowie
einem Fernsehprogramm, dessen Höhepunkt aktuell darin zu bestehen scheint, dass eine Tennislegende sich der Lächerlichkeit preisgibt, ist's am Abend, wenn meine Mädels zu Bett gebracht sind und die Herzallerliebste mit der Nähmaschine neue Kleider zaubert, für mich wieder an der Zeit für ein spannendes Buch.
Ein solches Buch ist Val McDermids aktueller Thriller "DER VERRAT".


Hilflos muss die Ghostwriterin Stephanie Harker mitansehen, dass ihr fünfjähriger Adoptivsohn Jimmy entführt wird, während sie in einer Sicherheitsschleuse des Chicagoer Flughafen festsitzt.
Unter Schock stehend, bleibt ihr doch zunächst nicht anderes übrig, als erst einmal das hoffnungslos überforderte Sicherheitspersonal des Flughafens davon überzeugen, dass sie überhaupt in Begleitung eines kleinen Kindes war und dass dieses tatsächlich verschwunden ist.
Erst nachdem sich Special Agent Vivian McKuras des Falles annimmt, kommt langsam Bewegung in die Ermittlungen.In der Hoffnung, ein Puzzlestück nach dem anderen zusammentragen zu können, nimmt McKuras sich viel Zeit, um sich die Geschichte Stephanie Harkers und ihres Adoptivsohnes anzuhören.
Und diese Zeit braucht sie auch, denn es ist eine wirklich lange Geschichte....
Alles beginnt mit einer Auftragsarbeit für die erfolgreiche Ghostwriterin Harker: Sie soll eine Autobiographie über den B-Promi Scarlett Higgins schreiben, die durch "Goldfish-Bowl", ein Format, das mit "Big Brother" vergleichbar ist, zu zweifelhaftem Ruhm gelangte.
Nach und nach zeigt sich jedoch, dass in Scarlett Higgins mehr steckt, als es nach außen den Anschein hat. Die beiden Frauen werden zu guten Freundinnen, die sich bei der Lösung ihrer unterschiedlichen Probleme gegenseitig zur Seite stehen, Scarlett macht Stephanie Harker sogar zur Patentante ihres Babys, des kleinen Jimmy. Doch das Schicksal scheint unerbittlich seinen Lauf zu nehmen...

Die Autorin Val McDermid gelingt es in diesem Buch, das in weiten Teilen ohne Blutvergießen und große Action auskommt, den Spannungsbogen stets gestrafft und damit den Leser bei der Stange zu halten. Die Vielschichtigkeit der handelnden Charaktere wird sorgsam herausgearbeitet, so dass man sich wirklich sehr gut in die Story hineinversetzen kann.
Sicherlich ist das Buch kein waschechter Thriller - ein guter und über weite Strecken fesselnder Roman aber ist es in jedem Fall.
McDermid schafft es, den Leser geschickt auf falsche Fährten zu locken und überraschende Wendungen einzubauen, während sie ihn behutsam immer tiefer in ein Gespinst aus verletzten Eitelkeiten, häuslicher Gewalt und Stalking sowie enttäuschtem Vertrauen führt, in dessen Mitte jedoch unverrückbar wie ein Fels in der Brandung die Freundschaft und der Zusammenhalt der beiden Frauen steht - oder vielleicht doch nur zu stehen scheint?
Leider wird der (durchaus überraschende) Schluss der ganzen Geschichte im Verhältnis zum gesamten Buch arg schnell abgearbeitet. Es fühlt sich fast so an, als sei man in eine Erzählung vertieft, merke plötzlich, wie spät es doch geworden ist und möchte noch ganz schnell zum Ende kommen. Das ist schade.


Aus diesem Grund kann ich 
- obwohl ich Val McDermids neues Werk insgesamt sehr spannend fand - 
doch nur vier von fünf ganz persönlichen Sternen vergeben.




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