Sonntag, 31. August 2014

Ausschließeritis ist Quatsch. Politik braucht Mehrheiten.

Nun ist es also passiert:
Was zu Zeiten von Strauß und Kohl undenkbar war, ist nun eine Realität, die sich nicht wegdiskutieren lässt.
Rechts der Union gibt es eine offenbar demokratische, wirtschaftsliberale und wertkonservative Partei, die in der Lage ist, aus dem Stand mit Ergebnissen um die zehn Prozent in Parlamente einzuziehen.
Überraschend ist das nicht, denn meine Partei, die CDU, ist nicht mehr ganz so breit aufgestellt wie noch in den achtziger und neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Von einem starken Arbeitnehmerflügel links der Mitte angefangen über eine sozial-marktwirtschaftlich orientierte Basis bis hin zu einem starken wertkonservativen Flügel waren in der CDU große Teile unserer Gesellschaft vertreten.
Das hat sich ein Stück weit verändert. 
So wurde beispielsweise die Wirtschaftspolitik zu oft dem kleineren Partner FDP alleine überlassen, die eigene Kompetenz wurde zurückgestellt. Die CDA, einst mächtiger sozial-konservativer Arbeiterflügel der CDU, wurde mehr und mehr zur Spielwiese eher linksorientierter Sozial-Akademiker.
Als nach der Abwahl von Helmut Kohl der "Genosse der Bosse" Schröder die alte Tante SPD kurzzeitig auf einen wirtschaftsliberalen Kurs drängte, sahen führende Christdemokraten die Chance, deutlich links der Mitte auf Stimmenfang zu gehen - ein Versuch, der misslang.
Dort war und ist kein Blumentopf für uns zu gewinnen. Neue CDU-Mehrheiten wurden vielmehr nur dadurch generiert, dass verschreckte SPD-Stammwähler zu Hause blieben oder gleich zur Linkspartei wanderten.
Dominiert durch eine starke und vor allem in der europäischen Finanzpolitik erfolgreichen Kanzlerin, die den Menschen in unserem Land ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, erkennt ein großer Teil unserer christlich-demokratischen Polit-Elite aktuell noch immer nicht, dass die Breite im (politischen) Spiel verlorenging.
Dabei wäre ein gutes abgestimmtes Flügelspiel in einer Volksparte genau so wichtig, wie es in der sportlichen Philosphie von Jogi Löw ist.

Wie auch immer:
Dort, wo vorher der sozial-konservative und der wirtschaftsliberale Eckpfeiler der CDU (und letztlich auch noch eine kleine Bastion der FDP) standen, war nun jedenfalls eine Menge Platz. Eine ziemlich große Lücke in der sich jetzt die AfD eingenistet hat.

Jetzt einfach die Augen zu schließen und zu hoffen, dass die dort von alleine wieder weggeht, funktioniert ganz gewiss nicht.
Die AfD ist da - so wie vorher die FDP da war.
Und genau wie zuvor mit der FDP oder aktuell mit den Grünen und mit der SPD muss auch mit der AfD gesprochen werden, denn eine erfolgreiche Politik braucht Mehrheiten.
Miteinander sprechen kostet nichts. Wenn sich im Laufe dieser Gespräche zeigt, dass mit dem jeweiligen Gesprächspartner keine Zusammenarbeit möglich, dann ist es eben so.
Wenn die Schnittmengen jedoch stimmen, dann muss auch eine Koalition möglich ein.
 

Das ist übrigens in der großen Politik überhaupt nicht anders, als vor Ort in unseren Dörfern und in unserer Gemeinde.
In Eppelborn erkenne ich, dass es sowohl der Fraktion aus Piraten und Grünen als auch den Vertretern der AfD genau wie uns Christdemokraten in erster Linie um unsere Gemeinde geht und dass es in wichtigen Punkten Schnittmengen zu meinen und unseren Zielen gibt.
 

Für mich liebe Leserinnen und Leser meines EppelBlogs ist klar: 
Ausschließeritis ist Quatsch. Politik braucht Mehrheiten.
Ich arbeite dabei am liebsten mit Menschen zusammen, denen es eher um die Sache als um sich selbst geht.
Und da ist es mir ganz egal, welcher politischen Couleur diese Menschen angehören, solange sie mit beiden Füßen auf dem Boden der Demokratie stehen.
Hauptsache, sie meinen es ehrlich und wir haben ein gemeinsames Ziel.

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