Dienstag, 7. Juli 2015

Der Grexit. Eigentlich unausweichlich.

Demokratie ist nicht einfach.
Das Ergebnis langer Diskussionen ist oft nur der kleinste gemeinsame Nenner, das "Wasch-mir-den-Pelz-aber-mach-mich-bitte-nicht-nass"-Prinzip.
Deshalb weiß ich nicht, wie diese Sache in Griechenland enden wird.

Staatspleite?

Bleibt die europäische Staatengemeinschaft konsequent und sagt auch weiterhin, "Geld nur gegen Reformen", kann es sein, dass der Juli 2015 in die Euro-Geschichte als das Jahr eingehen wird, in dem die Griechen der gemeinschaftlichen Währung "Adieu" sagen mussten.
Das würde die Weltwirtschaft vermutlich erschüttern.

Ein bisschen jedenfalls.
Ein paar Staatshaushalte kämen ins Wackeln, ein paar Banken und Investoren könnten über die Wupper gehen. Das war's dann aber vermutlich auch schon.
Ach nee....beinahe hätt' ich's vergessen: Griechenland wär pleite.
Staatspleite!
Das kennen wir jüngeren Europäer nicht. 
Und manche haben deshalb auch echt Angst davor. Nicht ohne Grund. Meine Oma wusste noch zu berichten, wie das war, als "das Geld kaputt ging".
In Südamerika aber ist die Angst schon lange nicht mehr so groß.
Da hat Argentinien im vergangenen Jahr mal eben gerade seine achte Staatspleite hingelegt.
Davon, dass Argentinien danach untergegangen wäre, hat man allerdings nix gehört.
Im Gegenteil: Seit gestern ist Argentinien wieder die Nummer 1 der FIFA-Weltrangliste.
Vor Weltmeister Deutschland. Noch nicht offiziell, aber man kann's jetzt schon ausrechnen.
Weil das aber ein ganz anderes Thema ist, zurück nach Athen.

Also: Griechenland wäre pleite. Und wer zahlungsunfähig ist, kann auch nix zurückzahlen.
Das ist schon so etwas ähnliches, wie der geforderte Schuldenschnitt. 
Jedenfalls stark vereinfacht.
Und auf jeden Fall ein Neuanfang.
Die Tsipras-Regierung allerdings dürfte bis auf die Knochen blamiert sein, ihre leeren Versprechungen entlarvt.
Griechenland wäre aus dem Euro draußen und könnte versuchen, mit einer eigenen Währung wieder auf die Beine zu kommen. Dass das möglich ist, haben ja schon andere Nationen vorexerziert. Zum Beispiel die neue FIFA-Weltranglisten-Nummer 1.



Was ist die Alternative?

Jean-Claude Juncker meint: "Ich bin gegen einen Grexit. Natürlich müssen wir alles tun, um Griechenland zu helfen".
Juncker ist ein erfahrener Politiker. Un trotzdem: Die Frage muss erlaubt sein, ob er weiß, was das nach sich ziehen könnte. Denn mal ganz ehrlich: Warum sollten dann die anderen Länder der EU noch sparen? Sie könnten sich zu Recht denken: "Es gibt ja ein paar große, ein paar sparsame Länder, die schlechtem Geld doch immer wieder gutes Geld hinterher werfen."
Ein paarmal hab ich jetzt schon gelesen, Europa sei eine "Schicksalsgemeinschaft". Das ist Quatsch. Die Europäische Union und im Besonderen die Euro-Zone sind eine Solidargemeinschaft von noch immer weitgehend souveränen Staaten.
Hat ein Staat Probleme, stehen die anderen solidarisch zu ihm und helfen ihm solange, bis er durch eigene Anstrengungen wieder aufholen kann.
Was Tsipras und seine linke Truppe veranstalten, passt jedoch nicht in diese Solidargemeinschaft. Sie wollen sich nicht anstrengen. Sie versprechen ihren Bürgen Milch und Honig und rufen Europa zu: "Heh - wir haben abgestimmt. Wir wollen weiterhin am Tisch sitzen. Wir hätten gerne ein Zwölf-Gänge-Menü. Und wir haben entschieden, dass ihr bezahlen dürft."

Brexit statt Grexit?

Dieses Spielchen kann die EU mitmachen, sie kann sich die Schürze umbinden und die Tsipras-Regierung von vorne bis hinten bedienen und mit frischem Geld versorgen.
Ich befürchte aber, dass dann aus der Europäischen Union, in der es langsam wieder aufwärts geht, auf's neue eine Schulden-Union würde.
Und dazu noch eine EU, an der die ohnehin die Euro-skeptischen Briten (die dummerweise auch noch der zweitgrößte Netto-Zahler sind) auch noch das letzte Interesse verlieren könnten.

Und so käme statt dem Grexit möglicherweise der Brexit - und damit würde, wie Roland Tichy noch in dieser Woche schrieb, Europa riskiert.
Ich bin gespannt. Klar ist letztlich nur eines:
Die Zeche zahlen - wie auch immer es kommt - zunächst einmal die Menschen in Griechenland. Dafür dürfen sie sich vor allem bei zwei Parteien bedanken: PASOK und SYRIZA. 




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