Mittwoch, 18. Mai 2016

Falsches Signal: Bahn will 215 Güterbahnhöfe schließen - 12 davon im Saarland

Konzept sieht Verlagerung auf Straße vor / Sogar Gleisschotter muss per LKW angeliefert werden / Sendung am Mittwoch, 18. Mai, 20:15 Uhr, SWR Fernsehen



Baden-Baden (ots) In Deutschland sollen 215 Güterbahnhöfe geschlossen werden. Das geht aus einer geheimen Streichliste der Bahn-Tochter DB Cargo hervor, die dem Südwestrundfunk (SWR) exklusiv vorliegt. Weitere 154 Güterbahnhöfe sind zumindest gefährdet. Insgesamt ist von den geplanten Sparmaßnahmen jeder vierte Güterbahnhof betroffen. Als Alternative nennt die Deutsche Bahn unter anderem eine "Verlagerung auf LKW". Ausführliche Informationen gibt es in der SWR Dokumentation "betrifft: Falsches Signal - Wie die Bahn beim Gütertransport versagt", am Mittwoch, 18. Mai, 20:15 Uhr, im SWR Fernsehen.

215 Bahnhöfe in Deutschland sollen geschlossen werden In der Streichliste von DB Cargo heißt es im Einzelnen, dass bundesweit an 215 Güterbahnhöfen "die Bedienung eingestellt werden soll", an 101 "die Bedienzeit und / oder -frequenz geändert werden soll, und dass an 53 "nur noch im Sonderdienst, d. h. bei positiver Ressourcenprüfung angefahren werden" soll. Konkret sollen in Baden-Württemberg 26 Güterbahnhöfe geschlossen werden (neun weitere sind gefährdet), in Rheinland-Pfalz sieben (sechs weitere sind gefährdet) und im Saarland sollen zwölf Güterbahnhöfe geschlossen werden (zwei weitere sind gefährdet). Insgesamt hat die DB Cargo (früher DB Schenker Rail) derzeit noch rund 1500 Güterbahnhöfe in Betrieb (DB-Jargon: Güterverkehrsstellen).

Bahn: Entscheidung fällt erst im Juni / SWR weiß von erster Kündigung 

Gegenüber dem SWR bestreitet die Deutsche Bahn AG, dass bereits Entscheidungen gefallen seien. Dies erwarte man erst im Juni. Nach SWR Informationen liegt allerdings bereits eine erste Kündigung vor: Ausgerechnet ein Steinbruch-Unternehmen im Schwarzwald, das seit 90 Jahren Gleisschotter produziert, müsse zehntausende von Tonnen Schotter künftig per LKW transportieren. Abzusehen ist insgesamt, dass als Ergebnis der Streichliste zukünftig noch mehr Güter auf die Straße verlagert werden. Der Betriebsrat der Bahntochter befürchtet darüber hinaus, dass bald jeder fünfte Arbeitsplatz bei DB Cargo gestrichen werden könnte.

Die Enthüllungen über die Pläne der Deutschen Bahn beim Güterverkehr gehen zurück auf die Recherchen für eine Fernsehdokumentation in der Reihe "betrifft": "betrifft: Falsches Signal - Wie die Bahn beim Gütertransport versagt", am Mittwoch, 18. Mai, 20:15 Uhr, SWR Fernsehen.

Meinung:

Autobahnen, Straßen und Brücken haben längst ihre Belastungsgrenzen erreicht - doch inbesondere der hochbelastende LKW-Verkehr wächst weiter. Die Einführung von Lastkraftwagen mit Übergröße, sogenannten "Gigalinern wird die Situation ohnehin noch verschärfen.
Mit der Güterverkehrsstrategie der Bahn, wird zwangsläufig nochmals mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße verlegt. Die Probleme steigen - ökonomisch und ökologisch. Wenn die Strategie "Leise Schiene" von Bundesverkehrsminister Dobrindt darauf basierte, dass die alte Forderung "Schiene statt Straße" faktisch umgekehrt wird, wäre dies ein historischer Fehler. Wenn nicht, täte er gut daran, beim Bundesunternehmen Deutsche Bahn ein Machtwort zu sprechen.

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