Donnerstag, 26. Mai 2016

"Wandel zur Altersgesellschaft"? Quatsch. Eine zukunftsfähige Kommune muss alle Menschen berücksichtigen!

Diese Woche lautet auf der Seite 3 der Eppelborner Nachrichten  die Überschrift "Wandel zu einer Altersgesellschaft". 
Dass sich die Verwaltungsspitze anlässlich des 110jährigen Jubiläums des Seniorenheimes St. Josef dem Thema "Alter" zuwendet, bietet sich an. Was sie daraus macht, ist... na ja.... eine ziemlich dünne Brühe. So dünn, dass ich garnicht anders kann, als zu widersprechen.

Weichenstellung? Verpasst!
Es ist so schade, erleben zu müssen, dass die erfreuliche Tatsache, dass die Menschen auch in unserer Gemeinde ein immer höheres Alter erleben dürfen, nur auf Probleme reduziert wird, die daraus entstehen könnten. Das wird weder den älteren Bürgerinnen und Bürgern gerecht, noch all den anderen Alters- und Bevölkerungsgruppen, die in den Dörfern unserer Gemeinde leben.
Dazu auch noch von einer zu erwartenden "Altersgesellschaft" zu sprechen, ist - wie ich finde - an Eindimensionalität kaum noch zu überbieten.

Ich sehe das anders. Bunter. Vielfältiger.


Es ist richtig: Das Durchschnittsalter steigt. Auch in der Gemeinde Eppelborn.
Vor 150 Jahren lag die Lebenserwartung eines Menschen im Durchschnitt noch bei 40 Jahren. 
Das hat mit einer hohen Kindersterblichkeit zu tun, dass hat mit Krieg und mit der Not der Nachkriegszeiten zu tun, mit schwierigen Lebensverhältnissen, mit mangelnder Sicherheit in Betrieben, mit einer schlechteren Gesundheitsvorsorge und natürlich auch mit einer deutlich schlechteren medizinischen Versorgung.

Heute geborene Mädchen werden durchschnittlich 83 Jahre alt, Jungen werden vermutlich 78 Jahre alt werden. Und warum?
Weil es viele Probleme der Vergangenheit nicht mehr gibt. 
Das ist kein Grund zum Jammern, das ist ein Grund zur Freude!
In der ARD-Sendung "Planet Wissen" wurde bestätigt: Für viele der "neuen Alten" die steigende Lebenserwartung auch tatsächlich ein Grund zur Freude:
"Sie werden immer fitter und haben immer später das Gefühl, wirklich alt zu sein.", heißt es in der ARD dazu.
Doch schauen wir uns nun einmal unsere Gemeinde genauer an:

Die Fakten:


Das Durchschnittsalter unserer Bürgerinnen und Bürger liegt aktuell laut den Untersuchungen der Bertelsmann-Stiftung bei genau 47 Jahren. Damit liegen wir über dem Durchschnitt im Landkreis Neunkirchen (46,8 Jahre) und auch über dem Durchschnitt im Saarland (46,1 Jahre).
Ein Durchschnittsalter von 47 Jahren ist hoch - aber noch ein gutes Stück vom Rentenalter entfernt.

Auch beim Median-Alter (also dem Alter, in dem genau so viele jüngere Menschen in unserer Gemeinde leben, als auch ältere) liegen wir mit 49,7 Jahren über dem Durchschnitt (Landkreis 49,3 / Land 48,4).

Dass wir über dem Durchschnitt liegen, kann - positiv betrachtet - einerseits damit zu tun haben, dass wir bereits sehr gute Angebote für ältere Menschen haben und sie gerne hier leben. 
Andererseits spricht aber ein negativer und damit auch deutlich unter dem Durchschnitt in Land und Kreis liegender Wanderungssaldo eher dafür, dass wie nicht mehr so attraktiv als modernde Wohngemeinde sind, wie noch vor wenigen Jahren. 
Doch nicht nur das: Im Vergleich zu anderen Kommunen im Saarland hat insbesondere bei jungen Menschen eine regelrechte Flucht aus unserer Gemeinde eingesetzt:
Alleine im Jahr 2014 verließen durchschnittlich 27,1 von 1.000 Personen der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen mehr unsere Gemeinde, als zugezogen sind.  Das ist besorgniserregend, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass im gleichen Jahr saarlandweit ein statistisches Plus von 7,6 verzeichnet wurde.
Ein steigendes Durchschnittsalter hat also bei uns auch damit zu tun, dass junge Leute unsere Gemeinde verlassen. Das ist ein Problem. Ein richtiges Problem.
Aber nur wenn man genauer hinschaut. Das macht nicht jeder.
Hausaufgaben zu machen, liegt der derzeitigen Verwaltungsspitze nicht. 
Das überlässt man den Ehrenamtlichen im Gemeinderat.....

Der Widerspruch in sich


Es stellen sich, wenn man die aktuelle Seite drei der Amtsleitung im Eppelborner Rathaus liest, einige Fragen:

Wenn unsere Gemeinde so stark vom "Wandel zur Altersgesellschaft" getroffen wird:

Warum erschöpft sich der Ideenreichtum also in "runden Tischen"?
Wo sind die generationenübergreifenden, nachhaltigen Konzepte?
Wie machen wir unsere Dörfer wieder attraktiv für jung UND alt?
Warum fällt gerade der Schulentwicklungsplan vor diesem Hintergrund derart mangelhaft aus?

Wie sagte Marcel Reich-Ranitzki so treffend: "Der Vorhang zu. Und alle Fragen offen."






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