Freitag, 9. September 2016

425 Tote in acht Monaten: Schwimmbad-Schließungen zeigen erste negative Folgen

Rund 350 Schwimmbäder sind in Deutschland alleine in den letzten neun Jahren geschlossen worden, berichtet die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Gleichzeitig ist heute in den bundesweiten Gazetten zu lesen, dass die Zahl der Ertrunkenen aktuell den höchsten Stand seit acht Jahren erreicht hat.
Beachtet man, dass das Schwimmbadwetter eigentlich erst so richtig nach der Hauptsaison begonnen hat, wird die Zahl von 425 Toten noch erschreckender.

Auch wenn jeder Fall sicherlich einzeln betrachtet werden muss - dass es einen Zusammenhang zwischen den Schwimmbadschließungen und einer steigenden Zahl an Ertrunkenen geben muss, kann nur schwerlich geleugnet werden. In einzelnen Bundesländern betragen die Wartezeiten, bis man an einem Schwimmkurs teilnehmen kann, zwischenzeitlich nicht selten zwei bis drei Jahren (z.B. in den Städten Viersen und Andernach, aber auch in vielen anderen). Auch im Schulunterricht ist das Schwimmen längst nicht mehr überall regelmäßiger Bestandteil der Stundentafel.
Die Folge: Die Zahl der Nichtschwimmer steigt. Und das hat fatale Folgen.



In unserer Gemeinde ist das Schreckgespenst der Schwimmbad-Schließung bis auf Weiteres zum Glück wieder in Ketten gelegt. Die Diskussionen der Jahre 2013 und 2014 aber haben gezeigt, dass unser Hellbergbad keineswegs jedem (Zeit-)Genossen am Herzen liegt.
Wir sollten uns davor hüten, leichtfertig wertvolle Eckpfeiler unserer Infrastruktur auf's Spiel zu setzen. Der Verbund von Sporthalle und Hallenbad in Eppelborn ist sinnvoll und schafft Synergieeffekte - umso weniger macht deshalb eine Schließung und die Degradierung der Hellberghalle zu einer Halbruine Sinn. 
Auch die Idee der Grünen, die Trägerschaft von Schwimmbädern an die Landkreise zu übertragen, klingt wenig überzeugend. Unsere Bäder kosten Geld. Das wird auch nicht besser, wenn die augenfällig überforderte und überbürokratisierte Verwaltung des Landkreises sich auch noch an dieser Aufgabe abarbeiten soll.

Wenn die Landesregierung in naher Zukunft ein Konzept für die Sanierung und Unterhaltung von Schwimmbädern erstellt, darf nicht das Sparen am falschen Platz im Vordergrund stehen. Vielmehr müssen Kommunen stattdessen finanziell in die Lage versetzt werden, eine entsprechende Infrastruktur vorzuhalten. 
Ich bin froh, dass wir in Eppelborn seit  nunmehr 40 Jahren eine lebendige, aktive DLRG-Ortsgruppe haben, die wertvolle Dienste für die Gesellschaft leistet.
Ich bin der Meinung: Jedes Kind muss Schwimmen lernen können. Und das möglichst bis zum sechsten Lebensjahr. Dieses Ziel erreichen wir aber nur, wenn es keinen weiteren Kahlschlag in der Schwimmbadlandschaft gibt. 

Dafür sollten wir alle an einem Strang ziehen.


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