Samstag, 11. Februar 2012

Die Jagd nach der Schlagzeile - und die Seriosität bleibt auf der Strecke


Eigentlich ist er's ja selber schuld, der Herr Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie.
Zu gerne hat er das Bedürfnis der Medien erfüllt und sich spektakulär festgelegt:
Im Spiegel-Artikel "Winter ade: Nie wieder Schnee?" ließ er sich mit der Aussage "Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben" zitieren.
Die Realität hat ihn nun erneut widerlegt: 
Nach den Schneemassen und der Kälte im vergangenen Winter haben wir auch aktuell wieder kräftigen Frost
Und mit dem Frost brachen auch erneut eine Menge Hohn und Spott über den anerkannten Wissenschaftler herein. Auch wenn er zwischenzeitlich ein wenig zurückruderte, seine früher geäußerten Festlegungen wird er nicht los. 
Dabei gibt es den Klimawandel wirklich. 
Und dass immer mehr Länder dabei sind, den hemmungslosen Verbrauch fossiler Rohstoffe zur Energieerzeugung einzudämmen, ist nicht nur aus diesem Grund richtig und wichtig.
Aber Latif hat diesem Kurs einen Bärendienst erwiesen und ebenso wie einige seiner Kollegen genau denen Pulver geliefert, die die Klimaveränderungen nach wie vor bestreiten.
Mojib Latifs Glaubwürdigkeit ist der Forderung der Medien nach spektakulären Ankündigungen ein wenig zum Opfer gefallen.


Nicht besser ergeht es den großen Energieversorgern und Netzbetreibern.
Auch ihre Reputation hat ganz aktuell wieder einmal gelitten.
Vollmundig warnten sie im vergangenen Jahr vor "großflächigen Versorgungsausfällen im Winter durch den Ausstieg aus der Atomenergie".
Tatsache ist: Wir haben nicht nur Strom genug, wir können sogar noch welchen an unsere französischen Nachbarn verkaufen, wie hier, hier und hier  nachzulesen ist.
Frankreich leidet trotz seiner unter Vollast laufenden Atommeiler derzeit unter einem extremen Energieengpass. Dass die Franzosen mit 20 Kraftwerken und insgesamt 59 (!) Reaktorblöcken der zweitgrößte Atomstromerzeuger der Welt sind, hilft da offenbar wenig.


Das sind Beispiele, die ganz aktuell zweierlei zeigen:
Zum einen, wie als seriös geltende Fachleute bereit sind, Extremszenarien zu skizzieren, weil die Medien fette Schlagzeilen fordern. 
Anderseits aber ebenso, wie wiederum manche Medien den Lobbyisten auf den Leim gehen. 
Hauptsache, die Schlagzeile stimmt.


Dem interessierten Bürger sei deshalb empfohlen: Nutzen Sie im Zweifel stets mehrere Quellen und machen Sie sich lieber Ihr eigenes Bild.
Was in der Zeitung steht, stimmt nicht immer.

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