Als Dorfkind komme ich aus einer Zeit und einem Lebensraum, wo es für viele eine Selbstverständlichkeit war, in Vereinen und Institutionen tatkräftig und mit großem handwerklichen Geschick und Engagement mit anzupacken und zum einen das, was man heute "Dorfmöblierung" nennt, immer weiter auszubauen um mehr Lebensqualität in unseren Dörfern zu schaffen, sowie andererseits auch Traditionen zu pflegen und das Brauchtum zu erhalten.
Und ich erlebe, das viele Menschen das auch heute gerne noch tun würden - aber sie dürfen es entweder nicht mehr oder es wird ihnen zunehmend erschwert.
Ein ganzer Wust von Auflagen, Vorschriften, rechtsverbindlichen Handreichungen und Handlungsempfehlungen erstickt das Engagement, verteuert und bürokratisiert es.
Die Menschen verlieren die Lust.
Das wurde auch aktuell im Ausschuss für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz noch einmal sehr deutlich, wo auf Antrag unserer CDU-Landtagsfraktion die Auflagen und "Empfehlungen" für Karnevalsumzüge intensiv und kontrovers diskutiert wurden.
Wer angeblich alles daran mitarbeiten soll, dem Ehrenamt, dem gesunden Dorfleben und dem Brauchtum die Wurzeln zu kappen und den Menschen vorgibt, wie sie zu leben haben, ist schon erstaunlich.
Ursächlich beispielsweise für die zunehmend überbordende Reglementierung von Faasendumzügen und Motivwagen seien, so wurde heute berichtet, Vorgaben der UN, der EU und des Bundes, die dann nochmal von der Obersten Verkehrsbehörde des Landes (und damit der Landesregierung) "ausgelegt" und in einer "Handreichung" zusammengefasst wurden.
Ziel sei es, so wurde seitens der Landesregierung berichtet, auch dem Ziel der "Vision Zero" noch mehr gerecht zu werden, und die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr auf Null zu senken.
Doch so sehr dieses Ziel erstrebenswert sein mag: Man muss die Entwicklung auch kritisch betrachten.
Es genügt den Verantwortlichen in der Obersten Verkehrsbehörde schlichtweg nicht, dass beim Bau von Motivwagen für die Faasendumzüge in aller Regel Menschen mit handwerklichem Geschick und technischem Sachverstand am Werk sind, die großen Wert auf eine hundertprozentige Sicherheit dessen legen, was sie da bauen.
Um sich letztlich "selbst den Buckel freizuhalten" werden weitere Kontrollinstanzen in Form von TÜV-Prüfern, technischen Abnahmen und Zertifizierungen und Genehmigungsverfahren eingefügt.
Das zeigt:
Man will zweihundertprozentig sein.
Man vertraut den Menschen vor Ort nicht mehr.
Der gesellschaftliche Schaden, der letztlich dadurch entsteht, wird immens sein, denn immer mehr Menschen ziehen sich zurück. Der Ausbau der Lebensqualität in unseren Dörfern stockt.
Und weder personell noch finanziell sind die Kommunen in der Lage, das aufzufangen, was gerade an freiwilligem, an ehrenamtlichem Engagement verloren geht.
Das wiederum erweckt bei nahezu allen Menschen den Eindruck: Es geht nichts mehr voran.
Ein fatales Signal, das weder politisch noch von behördlicher Seite gewünscht sein kann.
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