Am vergangenen Dienstag durften wir ein bedeutendes Projekt des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Saarland weiter voranbringen: die Anbringung einer QR-Code-Tafel am Denkmal für die Gefallenen der Stadt Püttlingen. Mit dieser Initiative wollen wir die Erinnerungsarbeit auf ein neues Niveau heben und den Menschen die Möglichkeit geben, sich intensiver mit der Geschichte ihrer Heimat auseinanderzusetzen.
Das Denkmal, an dem die neue Tafel nun angebracht wurde, wurde am Volkstrauertag 1959 eingeweiht. Es ersetzte ein älteres Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1931, das in den 1950er Jahren einer Neugestaltung des Platzes vor dem Püttlinger Rathaus weichen musste.
Bereits damals hatte der damalige Bürgermeister Nikolaus Boßmann den Wunsch geäußert, dass dieses Denkmal die Menschen mahnen solle, sich für den Frieden einzusetzen. Doch heute müssen wir feststellen, dass das gesellschaftliche Interesse am Volkstrauertag und am Gedenken an die Opfer der Kriege schwindet. Mancherorts wird sogar erwogen, den Volkstrauertag nicht mehr zu begehen – ein bedrückender Gedanke.
Erinnern mit moderner Technik
Um diesem Vergessen entgegenzuwirken, setzen wir moderne Technik ein. Die QR-Codes, die an verschiedenen Kriegsgräberstätten und Denkmälern angebracht werden, führen zu einer umfassenden Namensliste aller Gefallenen aus Püttlingen und Köllerbach. Diese Liste ist nach Ortsteilen und alphabetisch geordnet und enthält Informationen über die letzte Ruhestätte der Soldaten – sei es in Russland, Frankreich, Italien, Aserbaidschan oder anderswo auf der Welt. Viele dieser Gefallenen sind bis heute vermisst.
466 Namen – und kein Anspruch auf Vollständigkeit
Die digitale Liste umfasst 466 Namen von Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs aus Püttlingen und Köllerbach. Sie zeigt auf erschütternde Weise, wie weit verstreut die letzten Ruhestätten dieser Menschen sind. Während einige wenige auf den Friedhöfen Engelsfeld und Ritterstraße begraben wurden, ruhen die meisten fern ihrer Heimat. Ihre Familien hatten nie die Möglichkeit, an ihrem Grab zu trauern.
Durch unsere QR-Codes möchten wir das Bewusstsein für diese Schicksale schärfen.
Wer einen solchen Code scannt, erhält Zugang zu einer Datei mit Hintergrundinformationen zu den Denkmälern sowie zur detaillierten Namensliste. Dies kann Angehörige vielleicht sogar dazu ermutigen, die Suche nach ihren vermissten Vorfahren wieder aufzunehmen.
Ein gemeinschaftliches Projekt
Dieses Projekt wäre ohne das Engagement vieler Menschen nicht möglich gewesen. Ein besonderer Dank gilt der Reservistenkameradschaft Püttlingen, die die Kosten für die Tafeln übernommen und sich in Zusammenarbeit mit dem Bauhof der Stadt Püttlingen um die Anbringung gekümmert hat. Die Kameraden leisten mit ihrem Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft – beispielsweise in Verdun – sowie mit der Pflege von Kriegsgräberstätten einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit.
Auch der Stadt Püttlingen und insbesondere Bürgermeisterin Denise Klein danke ich für ihre Unterstützung bei der Umsetzung dieser Idee. Gemeinsam haben wir hier ein Zeichen gesetzt:
Ein Zeichen gegen das Vergessen und für die aktive Auseinandersetzung mit unserer Geschichte.
Und keineswegs vergessen möchte ich meinen Freund und VDK-Landesvorstandsmitglied Bernd Längler für seine Initiative, aber auch meine Mitarbeiterinnen im Volksbund und in diesem Fall insbesondere unserer Medienreferentin Amélie Zemlin-Kohlberger.
Ich kann mich glücklich schätzen, ein derart engagiertes Team um mich zu haben.
„Erinnern statt vergessen!“
Dieser Appell steht auf den Tafeln, die wir angebracht haben. Er richtet sich an jeden, der an einem Denkmal oder einer Kriegsgräberstätte vorbeikommt. Die Gefallenen haben es verdient, dass wir über sie sprechen und uns ihrer erinnern. Denn Erinnerung bedeutet Verantwortung – und nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft friedlich gestalten.
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