Was derzeit unter einem Deckmantel von Digitalisierung und „modernem Gesundheitswesen“ versucht wird, ist besorgniserregend. Medizinische Versorgung wird zunehmend in eine Konsumlogik gedrängt – und Cannabis spielt dabei eine Schlüsselrolle. So hat beispielsweise ein Anbieter damit geworben, man könne sich das medizinische Cannabis quasi wie eine Pizza über den Lieferdienst Lieferando liefern lassen.
Die jüngste Entscheidung des Landgerichts Hamburg, erwirkt durch die Apothekerkammer Nordrhein, ist deshalb mehr als ein juristisches Detail. Sie ist ein dringend notwendiger Weckruf.
Denn wer medizinisches Cannabis bewirbt, als könne man es per Mausklick auswählen, vergleichen und nach Hause liefern lassen, verabschiedet sich von jeder ernsthaften Gesundheitslogik. Arzneimittel sind keine Lifestyle-Produkte – und Cannabis ist kein harmloser Alltagsstoff.
Medizin ist Verantwortung – keine Marketingkampagne
Medizinalcannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Punkt.
Es gehört in die Hände von Ärztinnen und Ärzten, die sorgfältig prüfen, abwägen und verantworten – und in Apotheken, die ihrer pharmazeutischen Verantwortung gerecht werden.
Wer stattdessen mit Sorten, Preisen und vermeintlichen „Wirkungsprofilen“ wirbt, verschiebt bewusst die Wahrnehmung: weg von Therapie, hin zu Konsum. Genau hier hat das Gericht nun zu Recht die Grenze gezogen.
Das ist keine Spitzfindigkeit – das ist Patientenschutz.
Drogenpolitisch klar: Legalisierung verharmlost – und das sehen wir jetzt
Als drogenpolitischer Sprecher unserer CDU-Landtagsfraktion halte ich die Legalisierung von Cannabis weiterhin für einen Fehler. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Verantwortung. Die aktuelle Entwicklung bestätigt meine Befürchtungen:
Auf eine gesellschaftliche Normalisierung folgt nun Schritt für Schritt die Kommerzialisierung – und am Ende steht die Verharmlosung gesundheitlicher Risiken. Das war vorhersehbar.
Wenn schon im medizinischen Bereich versucht wird, Cannabis wie ein Konsumprodukt darzustellen, zeigt das deutlich, wohin die Reise geht. Genau deshalb warne ich seit Jahren davor, die Grenzen aufzuweichen.
Cannabis ist keine harmlose Substanz.
Nicht für Jugendliche.
Nicht für psychisch Belastete.
Und nicht für eine Gesellschaft, die Verantwortung ernst nimmt.
Digitalisierung braucht Regeln – nicht Freibriefe
Natürlich kann Telemedizin sinnvoll sein. Auch digitale Prozesse haben ihren Platz im Gesundheitswesen. Aber Digitalisierung darf niemals als Ausrede dienen, um ärztliche Verantwortung zu entkernen oder medizinische Entscheidungen zu automatisieren.
Was wir brauchen, ist kein weiterer Graubereich, sondern:
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klare gesetzliche Leitplanken,
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konsequente Aufsicht,
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und den politischen Willen, Fehlentwicklungen frühzeitig zu stoppen.
Wer meint, der Markt werde das schon regeln, handelt fahrlässig – gerade im Bereich von Drogen und Arzneimitteln.
Mein Fazit
Die Entscheidung aus Hamburg zeigt:
Der Staat darf bei Drogen- und Gesundheitspolitik nicht naiv sein.
Er muss schützen, statt zu beschönigen,
Regeln durchsetzen, statt zu relativieren.
Medizin ist keine Ware.
Und Cannabis darf weder verharmlost noch als Lifestyle-Produkt verkauft werden – auch nicht unter dem Deckmantel der Digitalisierung.
Diese Klarheit schulden wir den Patientinnen und Patienten.
Und diese Klarheit schulden wir unserer Gesellschaft.
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