Mittwoch, 21. Januar 2026

Berlin, Grüne Woche, klare Botschaften: Was das Saarland jetzt für Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Räume braucht

100 Jahre Internationale Grüne Woche – und selten war der politische Gesprächsbedarf so groß wie in diesem Januar. In der vergangenen Woche war ich als agrarpolitischer Sprecher unserer CDU-Landtagsfraktion gemeinsam mit meinen Freunden und Kollegen Petra Fretter, Stefan Thielen und Tobias Hans sowie dem gesamten Landtagsausschuss für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz in Berlin – zur 100. Internationalen Grünen Woche (16.–25. Januar 2026).
Und wer meint, das sei „nur“ eine Messe mit viel Genuss, der hat den Kern nicht verstanden: Die Grüne Woche ist in diesen Tagen nicht nur wichtiger Ort des Austauschs, sondern mehr denn je vor allem auch ein Seismograf – für Märkte, für Stimmungen in den Betrieben, für politische Vorhaben und für die Frage, ob Deutschland seine Land- und Ernährungswirtschaft stärkt oder kleinreguliert.

Auftakt in der Landesvertretung: Ausschussarbeit dort, wo Landes- und Bundespolitik informell aufeinander treffen.

Gleich zu Beginn tagte der Ausschuss für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarländischen Landtages – in der Vertretung des Saarlandes beim Bund.

Allein die Tagesordnung zeigt, wie breit das Feld inzwischen ist:

  • Umsetzungsstand Klimaschutzgesetz (KSG)

  • geplante Änderungen an Bundesnaturschutzgesetz und Bundesjagdgesetz

  • Austausch über Politikinstrumente auf dem Weg zu Klimaneutralität

  • und sogar die „Grüne Transformation“ im Schienenverkehr als Teil moderner Infrastrukturpolitik 

Zu Gast war u. a. Bundesumweltminister Carsten Schneider. Das ist wichtig – denn viele Entscheidungen, die auf Bundesebene vorbereitet werden, landen am Ende direkt im Alltag unserer Betriebe, Kommunen und Verbraucherinnen und Verbraucher

Meine klare Linie dabei: Klimaschutz und Naturschutz müssen gelingen – aber nicht nach dem Prinzip „Verbot zuerst, Umsetzung später“. Wir brauchen Regeln, die planbar, vollziehbar und praxisfest sind. Sonst wird aus dem Anspruch schnell Frust – und aus Frust wird Stillstand.


Unions-Agrarrunde im Konrad-Adenauer-Haus: Länderberichte, Frühwarnsystem, gemeinsame Linie


Direkt im Anschluss traf ich mich mit den agrarpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Unionsfraktionen in den Länderparlamenten – im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Bundesgeschäftsstelle.

Zu Gast waren u. a.

  • Albert Stegemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender für die Themen Ernährung, Landwirtschaft und Heimat, Gesundheit.

  • Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) 

  • Johannes Steiniger, agrarpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion 

  • sowie Philipp Amthor, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung 

Solche Runden sind nicht „Kaffeekränzchen“, sondern Arbeitsformat. Gerade die Berichte aus den Bundesländern sind Gold wert:
Sie sind oft das Frühwarnsystem, wenn sich Probleme anbahnen – sei es beim Vollzug, bei Förderkulissen, in der Tierhaltung, beim Wasser oder beim Flächenkonflikt. Und sie helfen, dass wir als Union nicht 16 Einzelstimmen, sondern eine starke gemeinsame Linie entwickeln.


Das große politische Thema 2026: Wasser, Ernährungssicherheit, Resilienz

Ein Schwerpunkt dieser Grünen Woche lief parallel auf höchster Ebene: das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) vom 14.–17. Januar 2026 unter dem Motto
„Wasser. Ernten. Unsere Zukunft“

Das ist nicht abstrakt, sondern hochkonkret – gerade auch für das Saarland:
Wasserstress, Trockenphasen, Starkregen, Bodenerosion, Nutzungskonkurrenzen. Das GFFA benennt zentrale Handlungsfelder wie

  • Wasser nachhaltig nutzen,

  • Nutzungskonkurrenzen lösen

  • und internationale Wasser-Governance stärken

Meine Schlussfolgerung: Wer über Ernährungssicherheit spricht, muss über Wasser sprechen. Und wer über Wasser spricht, muss endlich auch über Speicher, Böden, Humusaufbau, Erosionsschutz, kluge Bewässerung und Forschung sprechen – statt immer nur über neue Dokumentationspflichten.


Nachhaltigkeit: „grünerleben“ und die Frage, ob wir es ernst meinen

Auch auf der Messe selbst war Nachhaltigkeit sichtbar verankert – etwa über das Segment „grünerleben“ und Formate wie die Nachhaltigkeitstour, die Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Landwirtschaft zusammenbringt. 

Das ist gut – solange es nicht bei wohlklingenden Schlagwörtern bleibt.
Nachhaltigkeit muss in der Realität so funktionieren, dass Betriebe investieren können: in Ställe, Technik, Energieeffizienz, Tierwohl, Klimaresilienz.
Dazu braucht es:

  • verlässliche Förderkulissen,

  • schnelle Genehmigungen,

  • klare Standards,

  • und vor allem: Wirtschaftlichkeit.

Denn das ist der Punkt, den man auf der Grünen Woche in fast jedem Gespräch spürt:
Die Menschen in der Landwirtschaft wollen gestalten – aber sie dürfen nicht dauerhaft das Gefühl haben, sie müssten sich gegen Politik wehren, statt mit Politik zu arbeiten.


Tierwohl: Fortschritte ja – aber mit marktfähigen Wegen und weniger Bürokratie

Ein Thema, das auf der Grünen Woche überall präsent war, ist Tierwohl. Und hier gibt es tatsächlich Bewegung:
Die Initiative Tierwohl stellte neue Programme für höhere Haltungsstufen vor – u. a. „Frischluftstall“ (Stufe 3) und „Auslauf“ (Stufe 4), Start ab März 2026

Gleichzeitig ist die Debatte um Kennzeichnung weiterhin kompliziert. In Berichten wird u. a. thematisiert, dass ein verpflichtendes staatliches Tierwohl-Logo erst zum 1. Januar 2027 kommen soll. 


Mein Punkt: Tierwohl gelingt nicht gegen die Betriebe, sondern nur mit ihnen.
Wer Tierwohl will, muss

  • Investitionen ermöglichen,

  • Mehrkosten honorieren,

  • und Standards so gestalten, dass sie für Familienbetriebe machbar sind – nicht nur für die, die eine eigene Rechtsabteilung haben.


Marktdruck & EU-Agrarförderung: Stimmungslage ist deutlich

Die Grüne Woche ist auch ein Spiegel der Marktrealität: Preisdruck, volatile Märkte, neue Auflagen.
In aktuellen Berichten wird etwa die Sorge über geplante Änderungen der EU-Agrarförderung ab 2028 und deren Verteilwirkungen deutlich angesprochen. 

Hier gilt:
Eine Agrarförderung muss Leistung, Nachhaltigkeit und Versorgung zusammendenken – aber sie darf nicht so gebaut sein, dass am Ende mehr Bürokratie als Wirkung entsteht.


Meine Gespräche auf der Grünen Woche: vom Bauernverband bis zum Lebensmitteleinzelhandel


Für mich standen auf der Messe neben politischen Formaten vor allem gute und informative Gespräche auf dem Programm – u. a. mit

  • dem Deutschen Bauernverband,

  • saarländischen Bauernvertretern,

  • dem Deutschen Jagdverband,

  • der Initiative Tierwohl,

  • dem Verband der Waldeigentümer,

  • sowie Vertreterinnen und Vertretern von REWE und EDEKA – und vielen weiteren.

Was nehme ich daraus mit?

(a) Versorgungssicherheit ist wieder ein ernstes Thema

In politischen Gesprächen auf der Grünen Woche wird die Sicherung regionaler und nationaler Versorgung ausdrücklich als Thema genannt. ()
Das ist mehr als ein Schlagwort: Es geht um regionale Wertschöpfung, Logistik, Verarbeitung, Nachwuchs und Wettbewerbsfähigkeit.

(b) Wald & Jagd: Zielkonflikte ehrlich lösen

Waldumbau, Wildschäden, Klimastress, Biodiversität – das ist kein Entweder-oder. Aber es braucht klare Zuständigkeiten und praxistaugliche Regeln, wenn am Ende Wald und Landwirtschaft nicht die Verlierer sein sollen.

(c) Handel: Regionalität ja – aber fair und verlässlich

Der Lebensmitteleinzelhandel ist ein zentraler Hebel: für Regionalprogramme, Tierwohl, Qualitätsstandards.
Aber Fairness heißt auch: nicht „Höchststandard“ fordern und gleichzeitig über Konditionen den Spielraum nehmen, ihn zu finanzieren.



Was heißt das für das Saarland? Meine fünf Leitlinien nach dieser Berlin-Woche

  1. Bürokratie runter, Wirkung rauf. Weniger Berichtspflichten, mehr Ergebnisorientierung.

  2. Wasserstrategie für Landwirtschaft und ländliche Räume. Von Bodenschutz bis Speicher, von Beratung bis Technik – Wasser ist die Zukunftsfrage. 

  3. Tierwohl über Anreize statt über Ansagen. Programme, die Investitionen auslösen – keine Labels, die Betriebe überfordern. 

  4. Wettbewerbsfähigkeit sichern. EU-Förderlogik muss praxistauglich und fair sein – auch mit Blick auf 2028.

  5. Mehr Wertschöpfung im Land. Regionale Verarbeitung, funktionierende Ketten, starke Betriebe – damit aus „regional“ nicht nur Marketing wird, sondern Einkommen und Arbeitsplätze.


Schlussgedanke: Respekt ist keine PR, sondern Politik

Wenn ich aus dieser Woche in Berlin einen Satz destillieren müsste, wäre es dieser:
Landwirtschaft braucht Rückenwind – nicht Gegenwind aus Auflagen, Formularen, zusätzlichen Nachweispflichten und eine nicht selten an der landwirtschaftlichen Realität vorbei gehende Förderpraxis.

Die Grüne Woche 2026 hat gezeigt, wie viel Kompetenz, Innovationskraft und Leistungsbereitschaft in Landwirtschaft, Forst, Jagd, Ernährungswirtschaft und Handel steckt. Jetzt kommt es darauf an, daraus Politik zu machen, die ermutigt, nicht entmutigt.

Und genau daran arbeiten wir – im Saarland, in Berlin und überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden, die am Ende auf den Höfen, in den Ställen, im Wald und an der Ladentheke ankommen.

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