Mit meiner aktuell im Landtag veröffentlichten parlamentarischen Anfrage zur Entwicklung der Milchauszahlungspreise im Saarland greife ich ein Thema auf, das viele landwirtschaftliche Familienbetriebe in unserer Region derzeit mit großer Sorge erfüllt.
Denn hinter nüchternen Zahlen verbirgt sich für zahlreiche Milchviehhalter eine sehr konkrete Realität: sinkende Einnahmen, steigende Kosten und die bange Frage, wie es für den eigenen Betrieb weitergehen kann.
Eine Entwicklung mit spürbaren Folgen
Im Laufe des Jahres 2025 sind die Milchauszahlungspreise deutlich zurückgegangen. Für viele Betriebe bedeutet das einen erheblichen Einschnitt in die wirtschaftliche Grundlage. Gerade im Saarland, wo die Landwirtschaft kleinteilig strukturiert ist und viele Familienbetriebe seit Generationen bestehen, trifft diese Entwicklung besonders hart.
Milchviehhaltung ist kein kurzfristiges Geschäft. Wer heute investiert, denkt in Jahrzehnten. Ställe, Tierwohlmaßnahmen, moderne Technik oder Nachhaltigkeitsmaßnahmen – all das erfordert Planungssicherheit. Wenn die Preise stark schwanken oder dauerhaft zu niedrig sind, geraten solche Investitionen ins Wanken.
Verantwortung für unsere Kulturlandschaft
Unsere Milchviehbetriebe leisten weit mehr als nur die Produktion von Lebensmitteln. Sie prägen unsere Kulturlandschaft, erhalten Grünlandflächen, sichern Biodiversität und sorgen für regionale Wertschöpfung.
Gerade im ländlichen Raum des Saarlandes sind sie ein wichtiger Bestandteil unserer Heimat – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich.
Deshalb geht es bei dieser Anfrage nicht nur um Marktmechanismen, sondern auch um die Frage: Wie sichern wir die Zukunft unserer bäuerlichen Familienbetriebe?
Ursachen verstehen – Lösungen entwickeln
Mit meiner Anfrage an die Landesregierung möchte ich unter anderem klären:
wie sich Angebot und Nachfrage auf dem Milchmarkt entwickelt haben,
wie stark die Preise für saarländische Betriebe tatsächlich gefallen sind,
welche wirtschaftlichen Auswirkungen bereits spürbar sind,
und welche Maßnahmen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene in Betracht kommen.
Nur wenn wir die Ursachen genau kennen, können wir zielgerichtet handeln.
Was jetzt notwendig ist
Aus meiner Sicht braucht es jetzt vor allem drei Dinge:
Kurzfristige Stabilisierung der Einkommen
Betriebe dürfen in dieser schwierigen Phase nicht allein gelassen werden.Stärkung der regionalen Wertschöpfung
Regionale Vermarktungswege und faire Erzeugerpreise müssen gestärkt werden.Langfristige Planungssicherheit
Unsere Landwirte brauchen verlässliche Rahmenbedingungen – gerade im Hinblick auf Investitionen, Tierwohl und Klimaanpassung.
Chancen nutzen – aber fair und verantwortungsvoll
In der aktuellen Diskussion wird auch das geplante Mercosur-Abkommen von vielen Landwirten kritisch gesehen – insbesondere mit Blick auf mögliche Wettbewerbsverzerrungen und unterschiedliche Produktionsstandards. Diese Sorgen nehme ich sehr ernst.
Gleichzeitig darf man einen Aspekt nicht außer Acht lassen: Für den deutschen und europäischen Milchsektor können sich durch verbesserte Exportmöglichkeiten auch neue Absatzchancen ergeben – etwa für Käse, Spezialmilchprodukte, Trockenmilchprodukte oder Babynahrung. Gerade hochwertige, veredelte Produkte „Made in Germany“ haben auf internationalen Märkten eine starke Position.
Wenn es gelingt, solche Märkte zu erschließen, kann das auch dazu beitragen, den Preisdruck auf dem europäischen Binnenmarkt zu mindern und die Erlössituation unserer Betriebe zu stabilisieren.
Entscheidend ist aber: Handelsabkommen müssen fair ausgestaltet sein. Es darf keine Absenkung von Umwelt-, Tierwohl- oder Sozialstandards geben und keine einseitigen Wettbewerbsnachteile für unsere heimischen Betriebe. Nur dann können Chancen genutzt werden, ohne die Landwirtschaft vor Ort zu gefährden.
Anerkennung für die Arbeit unserer Landwirte
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich sagen: Unsere Landwirtinnen und Landwirte leisten jeden Tag harte Arbeit – oft 365 Tage im Jahr, bei jedem Wetter, mit großer Verantwortung für ihre Tiere und ihre Betriebe.
Diese Leistung verdient Respekt, Anerkennung und politische Unterstützung.
Mein Anliegen
Als agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist es mir ein zentrales Anliegen, die Interessen unserer landwirtschaftlichen Betriebe im Saarland klar zu vertreten.
Mit dieser Anfrage möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass wir die aktuelle Entwicklung nicht nur analysieren, sondern gemeinsam Lösungen erarbeiten – damit die Milchviehhaltung auch in Zukunft eine tragende Säule unserer saarländischen Landwirtschaft bleibt.
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