Samstag, 11. Dezember 2010

"Werden die Noten bis zur 6. Klasse abgeschafft?"...


Eine gewisse Frau Doktor Ilka Hoffmann, ihres Zeichens Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der sogenannten Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland, findet, dass Ziffernnoten „für Kinder mit Lernproblemen und sozialen Benachteiligungen eine immer wiederkehrende Quelle von Kränkung und Demotivation“ seien.
Deshalb will sie die Noten abschaffen und sie stattdessen durch eine "kompetenzorientierte Leistungbeurteilung, die den individuellen Lernfortschritt der Schüler widerspiegelt" ersetzen.
Ziffernnoten könnten zudem schon deshalb „nicht objektiv“ sein, weil sie davon abhängig seien, wie gut der Unterricht war. Wenn sie nämlich im Durchschnitt sehr gut ausfielen, gerieten Lehrer unter Verdacht, zu schönfärberische Noten zu vergeben, so Hoffmann...

Ich finde, Frau Hoffmann irrt.
Und zwar gewaltig.
Abgesehen davon, dass in der Realität nicht selten Lernerfolg insgesamt zu einem großen Teil davon abhängt, ob man einen engagierten Lehrer oder eine engagierte Lehrerin erwischt (das weiß ich aus eigener Erfahrung), halte ich die Forderung, die Schulnoten abzuschaffen, grundsätzlich für falsch.
Und das aus mehreren Gründen.

Zum ein missfällt mir - und das nicht zum ersten Mal - dass wieder einmal Gleichmacherei in einem ganz großen Stil betrieben wird. Natürlich werden Kinder, die am laufenden Band schlechte Noten mit nach Hause bringen, nicht motiviert. 
Aber mal ganz ehrlich:  Müssten sich nicht eher Eltern und Lehrer die Frage stellen, wie sie ihr Kind besser fördern statt die Noten abzuschaffen?
Niemand, der noch halbwegs bei Sinnen ist, käme doch auf die Idee, wenn sein Kind nicht schwimmen kann, die Abschaffung von Schwimmbädern, Badestränden oder gar von Nord- und Ostsee zu fordern.

Frau Doktor Hoffmann verschweigt aus ideologischen Gründen, dass Noten pädagogische Funktionen haben. 
Noten helfen Schülern, ihre Stärken und Schwächen wahrzunehmen und so ein realistisches Selbstbild aufzubauen. Gute Noten sind ein Ansporn, den Erfolg zu halten und auszubauen, schlechte Noten können zudem motivieren, beim nächsten Mal etwas mehr Gas zu geben.
Noten gewöhnen an Leistungsvergleiche und sie sind ein Stück weit auch unmittelbare Kommunikation mit den Eltern, die regelmäßige Informationen über den Leistungsstand ihres Kindes erhalten.

Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Der Glauben, ausschweifende Leistungsbeschreibungen könnten die Benotung durch Ziffern sinnvoll ersetzen, seien "weniger kränkend oder demotivierend" oder gar weniger subjektiv ist meiner Meinung nach ein Irrglaube, der sich durch nichts belegen lässt.
Warum sollten Worte, die - wenn auch noch so blumig und beschönigend schlechte Leistungen beschreiben - letztendlich weniger verletzend für schlechte Schüler sein, als Noten? 

Lasst endlich die Experimente am Schulsystem! 
Das weißblaue "Mutterland" der Noten, der Kopfnoten und des dreigliedrigen Schulsytems, Bayern, erzielt bundesweit die besten Ergebnisse. 
Und warum?
Weil sie nicht mit unseren Kindern herumexperimentieren.
So einfach ist das.

GEW: Setzen! Sechs!