Trockenheit, Hitze und Wetterextreme werden für unsere Landwirtschaft zu einem immer größeren wirtschaftlichen Risiko. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer reagiert auf die schwierige Lage mit zusätzlichen Hilfen. Das ist richtig. Doch wir müssen einen Schritt weitergehen: Unsere Bauern brauchen bessere Möglichkeiten, selbst vorzusorgen – und insgesamt wieder mehr Freiheit zum Wirtschaften.
Die Zahlen des Erntejahres 2026 zeigen bundesweit deutliche Spuren der langen Trocken- und Hitzeperioden. Beim Getreide liegt die Erntemenge nach den ersten amtlichen Ergebnissen rund 7,3 Prozent unter dem guten Vorjahr, beim Winterweizen beträgt das Minus voraussichtlich 10,4 Prozent. Auch bei späteren Kulturen werden regional erhebliche Verluste befürchtet.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat deshalb ein Maßnahmenpaket angekündigt. Unter anderem werden die Liquiditätshilfen über die Landwirtschaftliche Rentenbank deutlich aufgestockt, ein weiteres Programm mit günstigeren Konditionen vorbereitet und eine unbürokratische Düngemittelhilfe auf den Weg gebracht.
Das begrüße ich ausdrücklich. Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb unverschuldet in einen Liquiditätsengpass gerät, muss Hilfe schnell und möglichst ohne neue Bürokratie ankommen.
Weg von der Nothilfe – hin zur Vorsorge
Trotzdem dürfen wir nicht nach jedem Dürresommer wieder bei null anfangen.
Landwirtschaft arbeitet seit jeher mit der Natur. Aber Wetterextreme können mittlerweile Schäden verursachen, die einzelne Betriebe kaum noch alleine auffangen können. Deshalb brauchen wir bessere Instrumente zur Eigenvorsorge.
Ein wichtiger Baustein sind Mehrgefahrenversicherungen. Sie können landwirtschaftliche Betriebe – je nach Ausgestaltung – gegen Risiken wie Dürre, Starkregen, Überschwemmung, Frost, Sturm oder Hagel absichern.
Das Prinzip überzeugt mich: Der Staat ersetzt nicht nach jedem Extremereignis nachträglich Schäden, sondern unterstützt die Betriebe dabei, selbst Vorsorge zu treffen.
Andere Bundesländer fördern solche Versicherungen bereits. Bayern beispielsweise bezuschusst Mehrgefahrenversicherungen auch für Ackerbau und Grünland. Der Bund ist nun mit den Ländern im Gespräch, eine Förderung über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz – kurz GAK – zu ermöglichen.
Hier muss auch das Saarland aktiv werden.
Wir sollten diese Entwicklung unterstützen und dafür sorgen, dass eine entsprechende Förderung anschließend schnell und praxistauglich bei unseren Betrieben ankommt. Denn wer von Landwirten mehr Eigenvorsorge erwartet, muss Eigenvorsorge auch ermöglichen.
Klimaanpassung muss auf dem Acker funktionieren
Versicherungen allein lösen das Problem natürlich nicht.
Wir müssen unsere Landwirtschaft zugleich widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Wetterextreme machen. Dazu gehören Forschung und der Einsatz trockenheits- und stressresistenter Sorten genauso wie ein intelligenterer Umgang mit Wasser.
Investitionen in Bewässerung, Wasserspeicherung und Wasserrückhaltung müssen deshalb einfacher möglich werden. Förderprogramme müssen zur betrieblichen Realität passen, Genehmigungen schneller erfolgen und unnötige Nachweise verschwinden.
Für mich gilt dabei ein einfacher Grundsatz:
Klimaanpassung gelingt besser mit den Landwirten als durch immer neue Auflagen für die Landwirte.
Landwirtschaft muss sich wieder lohnen
Denn Wetterextreme sind nur ein Teil des Problems. Gleichzeitig kämpfen viele Höfe mit hohen Produktionskosten, niedrigen Erzeugerpreisen und einer Bürokratie, die Zeit und Geld kostet.
Deshalb begrüße ich, dass der Bund mit der Wiedereinführung des Agrardiesels und weiteren Entlastungen einen Kurswechsel eingeleitet hat. Dieser Weg muss weitergehen.
Wir brauchen weniger Melde- und Dokumentationspflichten, einfachere Förderverfahren, schnellere Genehmigungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Unsere Bauern erzeugen nicht nur Lebensmittel. Sie erhalten unsere Kulturlandschaft, schaffen Wertschöpfung im ländlichen Raum und liefern nachwachsende Rohstoffe. Gerade für ein ländlich geprägtes Land wie das Saarland ist eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft unverzichtbar.
Wer auch morgen noch Lebensmittel aus heimischer Erzeugung will, muss heute dafür sorgen, dass Landwirtschaft wirtschaftlich eine Zukunft hat.

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