Montag, 24. März 2014

Politik für das Dorf - oder das Dorf für die Politik? Wo findet "die Partei" ihre Grenzen?

Ganz viel von dem, was im Dorf geschieht, hat letztlich auf irgendeine Weise mit Politik zu tun.
Und trotzdem ist nicht alles Politik.
Bei weitem nicht.

Es gibt, so glaube ich jedenfalls, irgendwo eine imaginäre Linie - eine Grenze, die das Selbstverständnis einer "Dorfpartei" und den Kontext, in dem sie sich selber zum Geschehen im Dorf sieht, definiert.
Eine Grenze, die nicht selten verschwimmen mag, die keineswegs immer kerzengerade verläuft und die nur in den seltensten Fällen bewusst wahrgenommen wird.

Auch ich habe mir darüber noch nie so wirklich viele Gedanken gemacht.
Die Linie war und ist trotzdem wie selbstverständlich da.
Vielleicht nicht zuletzt auch deshalb, weil meine engen Freunde und Mitstreiter in der Kommunal- oder in der Dorfpolitik erkennbar die gleiche Linie für sich gezogen haben.
Vermutlich genau so unbewusst wie ich.
Auch bei den politischen Mitbewerbern, weder in der Habach, noch in Bubach-Calmesweiler oder beispielsweise auch in Eppelborn, Humes, Hierscheid, Wiesbach oder Macherbach kann ich erkennen, dass man in deren Reihen anders denkt.

Die Partei und das Dorf sind eben keine zwei Seiten einer Medaille; die Parteien sind auch nicht der Taktgeber, der Bestimmer im Dorf.
Bestenfalls sind die Parteien ein kleiner Mosaikstein in dem bunten Bild, das ein Dorf nach innen und nach außen widerspiegelt.

Ein Mosaikstein unter vielen. 
Mal ein größerer, mal einer ganz kleiner.
Auf keinen Fall aber sind sie wichtiger als all die anderen Vereine, Verbände und Organisationen, in denen sich - genau wie in einer Dorfpartei - die Menschen ehrenamtlich engagieren.
Wenn die Protagonisten einer Partei gute Ideen haben und engagiert sind, sind sie gemeinsam mit diesen vielen anderen ein Motor eines Dorfes oder einer Gemeinde.
Nicht mehr. Aber auch nicht unbedingt weniger.

Und gäbe es nicht ein Dorf in unserer Gemeinde, in dem das alles ganz anders scheint, hätte ich mir wahrscheinlich niemals größere Gedanken um dieses Selbstverständnis gemacht.
Aber es gibt dieses Dorf. 
Ganz im Osten unserer Gemeinde.
Ein Dorf, in dem "die Partei" glaubt, den Ton anzugeben zu müssen wie nirgendwo sonst.

In dem auch das, was der Ortsvorsteher macht (oder besser gesagt: machen sollte) eben gerade nicht der Ortsvorsteher macht, sondern fast immer "die Partei". Wenn man so liest, was diese besagte Partei in diesem ganz bestimmten Dorf angeblich alles macht und tut scheint klar: Alles scheint dort immer nur PARTEI.
Hinten, vorne und werweißwosonstnoch.

Gut kann das nicht sein.
Nicht für das Dorf. Und nicht für die Dorfgemeinschaft.
Denn ich weiß, dass es nicht gerade wenige Menschen in diesem schönen Dorf an Alsbach und Ill zunehmend ärgert, dass etwas mehr als eine Handvoll Leute derart den Bestimmer spielen will.
Und wenn dann beispielsweise nicht mehr der Ortsvorsteher den Picobello-Tag organisiert und koordiniert, sondern "die Partei" - ja dann passiert ganz einfach das, was zwangsläufig passieren muss: Die Menschen im Dorf wollen sich nicht instrumentalisieren lassen, bleiben daheim und sagen frei nach dem alten Fritz: Dann macht doch euren Dreck alleene (weg)!
 

Und so kommt es dann, dass selbst in dem kleinen Dörfchen Habach, in dem (glücklicherweise) nicht eine Partei, sondern ein engagierter Ortsvorsteher dieses Großreinemachen im Frühling koordiniert, locker viermal mehr Leute am Picobello-Tag helfen und mitmachen, als in besagtem Ort im Osten unserer Gemeinde. 
Obwohl der mehr als viermal größer ist, als die kleine Habach.

Der Umstand, dass nur noch zwölf (!) Leute bereit waren, in Dirmingen beim Picobello-Tag mitzuhelfen, brachte auch die dortige SPD - offenbar selbsternannter Ausrichter der Aktion - erkennbar ins Grübeln. Die Schlüsse aber, die sie aus dieser Tatsache ziehen, sind - nun ja - zumindest fragwürdig.
Ich nutze einfach mal copy und paste und zitiere von der Webseite der Dirminger SPD. Dort heißt es unter der Überschrift: "Dirminger SPD macht alles Picobello":


"In Dirmingen fungierte der SPD Ortsverein Dirmingen als Ausrichter dieser Sammelaktion.(...) An der diesjährigen Picobello-aktion beteiligten sich nur noch 12 Helferinnen und Helfer. An dieser Stelle muß man auch einmal die Picobello-Aktion hinterfragen. Macht der Saarland-Picobello-Tag noch Sinn ? Unabhänging von der jährlichen Müll-Sammelaktion sollte man im Verlauf eines ganzen Jahres an seine Umwelt denken. Die Dirminger SPD hat dies durch zahlreiche Aktionen schon oftmals unterstrichen. Auch der diesjährige Picobello-Tag hat unter Beweis gestellt, dass definitiv Redebedarf besteht. Scheinbar nehmen die Menschen diese Aktion nicht mehr Ernst. Die fallenden Teilnehmerzahlen geben uns auf jedenfall Anlass zum Nachdenken."

Das kann man so sehen. Muss man aber nicht wirklich.
Denn überall, wirklich überall, ist es anders als in Dirmingen: 

Landesweit haben sich mehr als 22.000 Menschen an der großen Frühlingsaktion beteiligt - nochmals 3000 mehr als im vergangegen Jahr. 
Das ist ein neuer Rekord!
In anderen saarländischen Dörfern und unter anderen Voraussetzungen ist der Picobello-Tag lebendiger denn je, wie auch ein Blick auf facebook eindrucksvoll zeigt.  Dort sind die Vertreter der Parteien vielfach und ganz selbstverständlich auch engagiert mit dabei.

Aber sie haben es nicht nötig, einen fetten Stempel auf eine Aktion zu drücken, bei der so viele Menschen ohne Parteibindung und ganz alleine zum Wohle ihres Dorfes mitmachen.
In einer Veröffentlichung des CDU-Gemeindeverbandes Eppelborn stand vor einiger Zeit zu lesen, Dirmingen werde politisch unter Wert vertreten.
Das hätte ich persönlich so nicht formuliert, obwohl es für diese Feststellung tatsächlich unübersehbare Anhaltspunkte gibt.
Gerade aber vor dem Hintergrund des erschreckenden Mangels an Selbstzweifel und Moderationsfähigkeit in der Dirminger SPD erscheint diese Aussage zutreffender denn je.

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