Samstag, 31. Oktober 2026

Wer Wald bewirtschaftet, denkt in Generationen – Danke, Ingo Piechotta!

Mehr als vier Jahrzehnte im Dienst unserer Wälder: Mit Forstamtsrat und Revierförster Ingo Piechotta verabschiedet sich zum Jahresende ein Mann aus dem aktiven Dienst, der die Entwicklung unserer heimischen Wälder über Jahrzehnte hinweg begleitet und mitgestaltet hat. Für mich ist das weit mehr als eine gewöhnliche Verabschiedung. Es ist ein Anlass, Danke zu sagen – und zugleich daran zu erinnern, wie wichtig Menschen sind, die Verantwortung für unsere Natur übernehmen.

In der Sitzung des Eppelborner Gemeinderates stand in der zurückliegenden Woche neben dem Forstwirtschaftsplan für das kommende Jahr auch die Verabschiedung von Ingo Piechotta auf der Tagesordnung.
Seit 1985 hat er den Eppelborner Gemeindewald begleitet. Am 31. Dezember 2026 endet nach insgesamt 42 Dienstjahren seine berufliche Laufbahn beim SaarForst.

Dass zu seiner Verabschiedung auch der Leiter des SaarForst-Landesbetriebes, Thomas Steinmetz, persönlich an unserer Gemeinderatssitzung teilnahm und das langjährige Wirken seines Mitarbeiters mit anerkennenden Worten würdigte, unterstrich die Bedeutung dieses Abschieds.
Denn wer sich über vier Jahrzehnte um unsere Wälder kümmert, übernimmt Verantwortung, deren Ergebnisse häufig erst die nächste oder übernächste Generation wirklich erkennen kann.

Ein Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume

Unsere Wälder sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Heimat. Sie prägen das Landschaftsbild, bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, speichern Kohlenstoff, schützen Böden, beeinflussen den Wasserhaushalt und sind für viele Menschen ein Ort der Erholung.
Gleichzeitig liefern sie mit Holz einen wertvollen, nachwachsenden Rohstoff und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
All diese Funktionen miteinander in Einklang zu bringen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Es geht um wirtschaftliche Vernunft ebenso wie um Naturschutz, um die Sicherheit von Waldwegen, um Pflege und Wiederaufforstung – und zunehmend um die Frage, wie unsere Wälder unter veränderten klimatischen Bedingungen überhaupt erhalten werden können.

Ingo Piechotta hat sich diesen Aufgaben über Jahrzehnte gestellt. Nicht nur in Eppelborn, sondern auch in anderen saarländischen Waldgebieten, unter anderem in den Gemeinden Illingen und Marpingen.
Sein fachliches Engagement reichte dabei über die tägliche Revierarbeit hinaus. So vertrat er auch den Saarländischen Waldbesitzerverband in der regionalen Arbeitsgruppe der Waldzertifizierungsorganisation PEFC.
Besonders eng verbunden bleibt sein Name mit unserer Eppelborner Gehöferschaft. Diese traditionsreiche Waldgemeinschaft, deren Geschichte bis ins Jahr 1838 zurückreicht, ist ein besonderes Stück unserer örtlichen Geschichte. Hier zeigt sich bis heute, wie gemeinschaftliches Eigentum, nachhaltige Bewirtschaftung und Verantwortung für die Heimat miteinander verbunden sein können.

Erinnerungen an Vivian und Wiebke – als der Wald auf unseren Straßen lag

Für mich persönlich hat diese Verabschiedung noch eine andere Dimension.
Ich erinnere mich an die schweren Winterstürme Vivian und Wiebke Ende Februar und Anfang März 1990. Damals war ich selbst als Straßenwärter tätig und an den umfangreichen Aufräumarbeiten auf unseren Waldstrecken beteiligt.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die L266 zwischen Wiesbach und Uchtelfangen.
Wenn schwere Stürme Bäume entwurzeln, Stämme brechen und Straßen blockiert sind, bekommt man sehr unmittelbar vor Augen geführt, welche gewaltigen Kräfte in der Natur wirken können.
Damals ging es darum, Verkehrswege wieder freizubekommen, Gefahren zu beseitigen und die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.
Solche Erlebnisse vergisst man nicht.
Sie haben auch meinen Blick auf den Wald geprägt. Denn was über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte gewachsen ist, kann innerhalb weniger Stunden schwer beschädigt oder zerstört werden.
Und sie haben mir früh gezeigt, wie viel Arbeit und Verantwortung hinter der Pflege unserer Wälder stecken. Denn mit dem Beseitigen umgestürzter Bäume ist es nicht getan. Danach beginnt häufig erst die eigentliche Herausforderung: geschädigte Flächen wieder zu bewalden und einen Bestand aufzubauen, der möglichst widerstandsfähig gegenüber künftigen Belastungen ist.

Gemeinsam angepackt – 500 neue Bäume für den Habacher Hubwald

Wie wichtig diese Arbeit ist, durfte ich viele Jahre später auch ganz praktisch und gemeinsam mit Ingo Piechotta erleben.
Besonders gerne erinnere ich mich an unsere große Baumpflanzaktion am 23. März 2024 im Habacher Hubwald, unmittelbar beim Haus Hubwald zwischen Habach und Eiweiler.
Dort hatte der Borkenkäfer erhebliche Schäden angerichtet. Wo zuvor Bäume gewachsen waren, mussten neue Perspektiven für einen widerstandsfähigen Wald geschaffen werden.
Und so haben wir gemeinsam angepackt.

Rund 500 junge Bäume wurden an diesem Tag gepflanzt. Darunter Baumhasel, Kirschbäume, Elsbeeren und Eichen. Die Jungbäume hatte die LevoBank zur Verfügung gestellt.
Mit dabei waren zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer, Mitglieder der CDU Habach und unseres CDU-Gemeindeverbandes Eppelborn, Familien und auch Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Hubwald.
Koordiniert wurde diese Aktion von Ingo Piechotta, der mit seinem Fachwissen dafür sorgte, dass aus unserem gemeinsamen Einsatz ein sinnvoller Beitrag zur Wiederbewaldung werden konnte.
Ich erinnere mich gerne an diesen Tag. Nicht nur wegen der vielen helfenden Hände, sondern auch, weil er beispielhaft gezeigt hat, wie Naturschutz, Forstwirtschaft und ehrenamtliches Engagement zusammengehören.
Es wurde nicht lange darüber geredet, was man eigentlich tun müsste. Wir haben gemeinsam etwas getan.
Und dabei war allen bewusst: Die kleinen Bäume, die wir damals in die Erde gesetzt haben, werden erst in vielen Jahren ihre volle Größe erreichen. Vielleicht werden unsere Kinder oder Enkel eines Tages durch einen Wald spazieren, dessen Anfänge wir an diesem Märztag gemeinsam geschaffen haben.
Für mich steht diese Aktion sinnbildlich für das, was gute Forstwirtschaft ausmacht: Verantwortung übernehmen, Schäden nicht nur beklagen, sondern gemeinsam anpacken und etwas schaffen, das weit über die eigene Lebenszeit hinaus Bestand haben soll.
Dass Ingo Piechotta solche Projekte fachlich begleitet und mit seiner Erfahrung unterstützt hat, verdient besondere Anerkennung.

Der Klimawandel stellt unsere Wälder vor gewaltige Herausforderungen

Die Herausforderungen für unsere Wälder haben sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert.
Natürlich hat es schwere Stürme, Trockenperioden, Waldbrände und Schädlinge schon immer gegeben. Doch steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster setzen vielen unserer Waldbestände zusätzlich zu. Lange Trockenphasen, geschwächte Bäume, Schädlingsbefall und eine steigende Waldbrandgefahr stellen die Forstwirtschaft vor Aufgaben, deren Bewältigung einen langen Atem erfordert.

Wie ernst die Situation inzwischen geworden ist, hat uns der vergangene Sommer eindrucksvoll vor Augen geführt. Beim großen Waldbrand im Hosterwald zwischen Hirzweiler, Wustweiler und Hüttigweiler brannten im August dieses Jahres rund 18 Hektar Wald. Mehr als 1.000 Einsatzkräfte waren über mehrere Tage hinweg an der Brandbekämpfung beteiligt.
Ein Ereignis, das sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft abgespielt hat und eindringlich vor Augen führte, wie verletzlich unsere Wälder sind.
Zugleich zeigt sich, dass die Folgen solcher Ereignisse weit über den eigentlichen Brand oder Sturm hinausreichen. Bis ein zerstörter Waldbestand wieder herangewachsen ist, können Jahrzehnte vergehen.

Als umwelt- und agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion beschäftigt mich deshalb besonders die Frage, wie wir unsere Wälder langfristig widerstandsfähiger machen können.
Dazu gehören standortgerechte, vielfältige Baumbestände, eine vorausschauende Waldpflege, die natürliche Verjüngung ebenso wie gezielte Pflanzungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit unserem Waldboden.
Dabei dürfen wir auch die Menschen nicht vergessen, die unsere Wälder besitzen und bewirtschaften. Kommunen, private Waldbesitzer und Gehöferschaften stehen vor erheblichen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen. Waldumbau, Wiederaufforstung und Pflege kosten Geld, während die wirtschaftlichen Erträge vielfach erst Jahrzehnte später entstehen.
Deshalb brauchen unsere Waldbesitzer verlässliche Rahmenbedingungen, praktikable Förderprogramme und möglichst wenig unnötige Bürokratie.
Vor allem aber braucht es Menschen mit Erfahrung, Fachkenntnis und einem Gespür dafür, was ein Wald an seinem jeweiligen Standort benötigt.
Denn Waldumbau gelingt nicht auf Knopfdruck. Er erfordert Geduld, Kontinuität und Entscheidungen, deren Erfolg sich häufig erst Jahrzehnte später beurteilen lässt.

Vieles von dem, was heute wächst, ist Arbeit für morgen

Auch in unserer Gemeinde Eppelborn sind die Folgen von Stürmen, Trockenheit und Borkenkäferbefall längst sichtbar geworden.
Erst vor wenigen Wochen hat der Gemeinderat eine neue mittelfristige Forstbetriebsplanung beschlossen. Sie trägt den Veränderungen im Gemeindewald Rechnung und bildet die Grundlage für seine weitere Entwicklung.
Bereits Anfang dieses Jahres konnten Fördermittel von Bund und Land für die Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen bereitgestellt werden. Betroffen sind unter anderem Flächen in Wiesbach und Dirmingen.
Auch der in der gestrigen Gemeinderatssitzung beschlossene Forstwirtschaftsplan für 2027 ist ein weiterer Baustein dieser langfristigen Arbeit.
Das zeigt: Die Arbeit für den Wald hört niemals auf.
Und genau deshalb verdient die Tätigkeit eines Revierförsters besondere Anerkennung.
Sie findet häufig abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit statt. Bei Wind und Wetter, draußen im Wald, im Gespräch mit Waldbesitzern, bei der Planung von Pflege- und Pflanzmaßnahmen oder bei der Abwägung zwischen ökologischen Erfordernissen und wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Es ist eine Arbeit, die Sachverstand ebenso verlangt wie Verantwortungsbewusstsein und Beharrlichkeit.
Und es ist eine Arbeit, bei der man manchmal Entscheidungen treffen muss, die nicht jedem auf Anhieb gefallen. Denn nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet auch, Bäume zu entnehmen, Bestände zu pflegen oder Flächen zeitweise zu verändern, damit sich der Wald langfristig gesund entwickeln kann.
Ingo Piechotta hat über Jahrzehnte seinen Beitrag dazu geleistet, dass unsere Wälder bewirtschaftet, gepflegt und für kommende Generationen weiterentwickelt werden.

Ein Abschied, der erfreulicherweise keiner auf ganzer Linie ist

Umso mehr freut es mich, dass uns Ingo Piechotta auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst nicht vollständig verloren geht.
Als Geschäftsführer der Gehöferschaft Eppelborn wird er seine wertvolle Arbeit fortsetzen und damit auch künftig seine Erfahrung und sein Wissen in die Entwicklung unserer heimischen Wälder einbringen.
Das ist eine gute Nachricht für die Gehöferschaft und für unsere Gemeinde.
Seiner Nachfolgerin, Forstoberinspektorin Maja Wild, die ab Januar 2027 seine Aufgaben übernimmt, wünsche ich einen guten Start, eine glückliche Hand und viel Erfolg bei den großen Herausforderungen, die vor unserer Forstwirtschaft liegen.
Danke für mehr als vier Jahrzehnte Verantwortung!

Lieber Ingo Piechotta,

für mehr als vier Jahrzehnte engagierter Arbeit im Dienst unseres Waldes, für die fachliche Begleitung unserer Gemeinde und für Ihren Beitrag zum Erhalt eines so wertvollen Teils unserer Heimat danke ich Ihnen von Herzen.
Als Mitglied des Eppelborner Gemeinderates, als umwelt- und agrarpolitischer Sprecher unserer CDU-Landtagsfraktion, aber gerade auch als jemand, der selbst erlebt hat, welche Kräfte die Natur entfalten kann, weiß ich die Bedeutung dieser Arbeit sehr zu schätzen.
Unsere gemeinsame Baumpflanzaktion im Habacher Hubwald wird mir dabei ebenso in guter Erinnerung bleiben wie Ihr jahrzehntelanger Einsatz für unsere Staats-, Kommunal- und Gehöferschaftswälder.
Für Ihren bevorstehenden Ruhestand wünsche ich Ihnen vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und viele schöne Jahre.
Und ich freue mich, dass Sie uns und unserer Gehöferschaft auch künftig mit Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung erhalten bleiben.

Denn wer sich ein Berufsleben lang um den Wald gekümmert hat, hinterlässt Spuren, die weit über die eigene Dienstzeit hinausreichen.

Herzlichen Dank und alles Gute, lieber Ingo Piechotta!

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