Sonntag, 11. Januar 2026

MERCOSUR, Saarland und Landwirtschaft: Warum eine starke Industrie und ein starker Mittelstand auch unsere Bauern stärken

Das EU-MERCOSUR-Abkommen wird derzeit emotional diskutiert – besonders in der Landwirtschaft. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen. Gleichzeitig lohnt ein genauer Blick auf die Fakten und auf die Frage, was dieses Abkommen konkret für das Saarland bedeutet. Denn eines ist klar: Industriepolitik und Landwirtschaftspolitik sind keine Gegensätze – sie bedingen einander.

Das Saarland lebt vom Export – und davon profitieren auch ländliche Räume

Das Saarland gehört zu den exportorientiertesten Regionen Deutschlands. Zentrale Branchen sind:

  • die Automobilindustrie und ihre Zulieferer,

  • der Maschinen- und Anlagenbau,

  • die Stahl- und Metallverarbeitung,

  • die chemische Industrie.

Gerade diese Bereiche profitieren vom MERCOSUR-Abkommen, weil hohe Zölle – etwa auf Fahrzeuge, Maschinen oder Chemieprodukte – schrittweise abgebaut werden. Das sichert Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Kaufkraft im Land.

Und genau hier liegt der Zusammenhang zur Landwirtschaft:
Wo Industriearbeitsplätze gesichert sind, bleibt Kaufkraft in der Region.
Das stabilisiert Kommunen, stärkt den ländlichen Raum und erhält die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln.

Eine geschwächte Industrie würde auch die Landwirtschaft treffen – durch weniger Nachfrage, geringere Steuereinnahmen und weniger politische Handlungsspielräume.


Warum Bauern von Industriepolitik profitieren

Landwirtschaft ist auf stabile staatliche Rahmenbedingungen angewiesen:

  • stabiler Absatz und angemessene Preise,

  • Agrarförderung,

  • Ausgleichszahlungen für staatlich auferlegte Belastungen,

  • Krisenhilfen,

  • Investitionen in den ländlichen Raum.

All das wird aus einer leistungsfähigen Volkswirtschaft finanziert.
Ohne starke Industrie gäbe es keine starken Agrarhaushalte.

Das MERCOSUR-Abkommen trägt dazu bei, wirtschaftliche Stärke zu sichern – und schafft damit die Grundlage, Landwirtschaft auch künftig zu schützen und zu unterstützen.


Zahlt die Landwirtschaft den Preis? – Eine klare Antwort

Der oft gehörte Vorwurf lautet: „Die Industrie gewinnt – die Landwirtschaft zahlt den Preis.“
Diese Zuspitzung hält einer sachlichen Prüfung nicht stand.

Fakt ist:

  • Es gibt keinen Freihandel bei Rindfleisch.

  • Die Importmenge ist auf 99.000 Tonnen EU-weit begrenzt – das entspricht nur etwa 1–1,5 % der europäischen Produktion.

  • Selbst diese Menge bleibt zollpflichtig.

  • Alles darüber hinaus wird durch hohe Zölle praktisch ausgeschlossen.

  • Auch andere sensible Bereiche wie Geflügel oder Schwein sind über solche Quoten geschützt.

Zusätzlich existiert eine scharfe EU-Notbremse:

  • Bei steigenden Importen oder fallenden Preisen kann die EU Zollvergünstigungen kurzfristig aussetzen.

  • Der Markt wird laufend überwacht, Eingriffe sind frühzeitig möglich. Das heißt: Die Politik wartet nicht, bis Betriebe in Schwierigkeiten geraten – sie kann früh eingreifen.

Und entscheidend ist:
Importware muss EU-Standards erfüllen – bei Lebensmittelsicherheit, Rückständen, Tiergesundheit und verbotenen Wirkstoffen.
Billigimporte unter niedrigeren Regeln sind nicht zulässig.

👉 Die Landwirtschaft wird nicht geopfert, sondern gezielt geschützt.


Chancen auch für die Landwirtschaft

Neben dem Schutz bietet das Abkommen auch Perspektiven:

  • neue Absatzmärkte für Milchprodukte, Käse, Schweinefleisch, Wein und verarbeitete Lebensmittel, bei denen die EU besonders wettbewerbsfähig ist. Für viele Betriebe heißt das: mehr Exportchancen statt nur mehr Importdruck.

  • wachsende Nachfrage nach hochwertigen europäischen Qualitätsprodukten.

Gerade Deutschland – und auch die Betriebe im Saarland – stehen für Qualität statt Masse. Diese Stärke wird international nachgefragt.


Fazit: Verantwortungsvoll handeln statt Ängste schüren

Das EU-MERCOSUR-Abkommen ist kein Risikoexperiment, sondern ein kontrolliertes Handelsabkommen mit klaren Schutzmechanismen für die Landwirtschaft.

Für das Saarland gilt:

  • Starke Industrie sichert Arbeitsplätze und Kaufkraft.

  • Stabile Wirtschaft ermöglicht Agrarförderung und Krisenschutz.

  • Begrenzte Importmengen, Zölle, Notbremsen und Standards schützen unsere Bauern.

Wer Industrie- und Landwirtschaftspolitik gegeneinander ausspielt, schwächt am Ende beide.
Der richtige Weg ist Handel mit Regeln, Schutz für sensible Bereiche und Chancen für Qualität – im Interesse des Saarlandes und seiner bäuerlichen Familienbetriebe

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